Familiäre Atmosphäre
Hans-Peter Körner präsentiert Otto-Reutter-Abend in Emsbüren
Der kleine Theatersaal des Kulturhauses Fokus in Emsbüren war ausverkauft. Die meisten der Zuschauer hatten Hans-Peter Körner schon mehrfach im Fokus erlebt und wollten sich dieses humoristisch-literarisch-musische Ereignis „Mit Pauken und Trompeten" nicht entgehen lassen.
Der Pianist Jürgen Adlung eröffnet mit einem wohltemperierten Intro. Plötzlich ein Türenknall - und Körner läuft durch den Mittelgang zur Bühne und singt das Couplet „Mit der Uhr in der Hand", welches Otto Reutter 1928 geschrieben hat. Es geht in diesem Text, der heute aktueller denn je ist, um die schnelllebige Zeit, in der wir ohne Sinn und Verstand durchs Leben rennen, nie zu uns selber kommen, flüchtig bleiben. „Wir reisen nicht mehr, nein, wir rasen zum Ziel. Mit der Uhr in der Hand. Und von der Gegend, von der hab"n wir nichts gesehen." Körner wischt sich den Schweiß von der Stirn, stellt seinen Wecker auf den Tisch der Bühne und begrüßt sehr herzlich, fast intim, wie alte Freunde oder Familienmitglieder das Publikum. Er klärt auf, dass es an diesem Abend nicht um die schönen, bekannten Lieder Otto Reutters gehen würde, sondern um die eher Unbekannten. Körner kennt sie alle. Er ist ein Reutter-Sammler und vor allem ein Reutter-Kenner. Es ist ihm ein Herzenswunsch, den einmaligen Humoristen Reutter in seiner Vielschichtigkeit erlebbar zu machen, er präsentiert das durch seine eigene unerschöpfliche Künstlervielseitigkeit. Für den Schauspieler, der wohl selbst viele Parallelen zu Reutter aufweist, ist das ein Kinderspiel zwischen den einzelnen Couplets erzählt Körner mit großem und stets verschmitztem Wandlungsvermögen Anekdoten und klärt über gesellschaftliche Zusammenhänge aus der damaligen Zeit auf, sodass in Kürze eine Atmosphäre entsteht, als würde das Publikum selbst am Anfang des 20. Jahrhunderts im bekanntesten Variete Berlins, dem „Wintergarten", sitzen, wo Reutter mit großen Künstlern aus ganz Europa zusammen auftrat. Reutter war aber, so Körner, der liebenswerteste von allen. Ihm war es wichtig, Nachdenkliches und Kritisches mit einem Augenzwinkern zu bringen, weil im Lachen eine große Kraft steckt. „Der kleinste Ärger, die größte Qual sind nicht von Dauer, sie enden mal. Nur der, der nichts hat, ist glücklich und frei. In fünfzig Jahren ist alles vorbei." Reutter wollte die Leute jeden Tag zum Lachen bringen. Und da haben wir wieder die Parallele zu Körner, der viele gesellschaftskritische Anmerkungen macht, aber die Liebe zur humorvollen Darbietung nie verliert. Der Applaus machte deutlich: Die Emsbürener lieben „ihren" Körner-Reutter.
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